|
© Basler Zeitung; 30.05.2009; Seite bazab14
wirtschaft
Zürich ist für Banker top
Basel ist für Studienabgänger als Arbeitsplatz unattraktiv
Michael Heim
Die Basler Banken sorgen sich um den Stellenwert ihrer Branche an der Universität und haben interveniert. Gleichzeitig verliert der Bankenplatz zunehmend an Bedeutung.
Die anstehende Emeritierung des Basler Bankenprofessors Henner Schierenbeck beunruhigt die Branche. Die Basler Bankenvereinigung (BBVg) sorgt sich um die Zukunft und hat sich deswegen an die Universität gewandt, wie der abtretende BBVg-Präsident Lukas Weber an der Generalversammlung vom vergangenen Donnerstag sagte. Die Universität plane, den Lehrstuhl für Bankmanagement und Controlling in seiner heutigen Art nicht mehr fortzuführen und stattdessen eine neue Professur für Accounting und Controlling zu errichten. Er habe aber versichert bekommen, dass das Thema Banken auch künftig «im Zusammenspiel verschiedener Lehrstühle» unterrichtet werde, berichtete Weber seinen Branchenkollegen. Wirklich beruhigt schienen diese aber nicht.
Studie. Besser funktioniert die Zusammenarbeit der Banken mit der Universität und der Fachhochschule beider Basel (FHBB) auf einer anderen Ebene: Gemeinsam hatte die Bankenvereinigung den beiden Institutionen eine Studie über den Berufseinstieg der Studenten in Auftrag gegeben. Es war die erste gemeinsame Arbeit der beiden Institutionen, seit das Wirtschaftswissenschaftliche Zentrum (WWZ) in die unmittelbare Nachbarschaft der Fachhochschule am Bahnhof SBB gezogen ist.
Die Erkenntnis: Wer in Basel studiert hat und in die Bankenwelt einsteigen will, findet seine Stelle meist nicht in Basel. 54 Prozent der Abgänger landen in Zürich, nur gerade 13 Prozent in den beiden Basel. Anders sieht es unter Berücksichtigung aller Branchen aus, die von den Wirtschaftsabgängern angestrebt werden. Dann liegt Zürich mit 30 Prozent nur einen Punkt vor den beiden Basel.
Was erwarten die Studenten vom ersten Job? Hier fällt auf, dass im Gesamtbild der Studierenden der Punkt «Bonusmöglichkeiten» erst auf dem letzten Rang auftaucht. Die Debatten der vergangenen Monate haben offenbar Spuren hinterlassen. Nicht so sehr jedoch bei den Bankern in spe: Die Studierenden, die zu einer Bank wollen, beurteilen die Boni klar als wichtiger, genau so wie ihnen auch ein hohes Anfangssalär mehr bedeutet als ihren Kommilitonen.
Fragt man die jungen Leute, wie sie die Standortattraktivität ihrer Branche beurteilen, so geben die in der Pharma beschäftigten Abgänger Bestnoten. Wer auf einer Basler Bank arbeitet, scheint hingegen weniger begeistert.
Weniger Jobs. Die Wirtschaftskrise wirkt sich auch auf die Zahl der offenen Stellen für Hochschulabgänger aus: Haben die Mitglieder Basler Bankenvereinigung in den vergangenen zwei Jahren noch jeweils 78 und 81 Akademiker eingestellt, so rechnen sie für 2009 mit nur noch 49 offenen Jobs. Leicht besser sind die Aussichten für 2010. Dabei fällt aber auf, dass sich die leichte Zunahme aufs Private Banking konzentriert, in dem die hälfte der Stellen angeboten werden, und im Asset Management mit einem weiteren Rückgang der Stellen gerechnet wird.
Auch – und das ist interessant für die heutigen Studierenden – dürfte sich die Situation für Abgänger mit einem Master-Abschluss, der das frühere Lizentiat ersetzt, schneller erholen, während Bachelor-Abgänger noch bis 2010 mit deutlich weniger Jobs rechnen müssen. Gar nicht gefordert wird laut Bankenumfrage ein Doktor-Titel.
Kritik an der Uni. Eine Kritik mussten sich die Studienleiter der Uni Basel in eigener Sache gefallen lassen. 43 Prozent der Studierenden am WWZ sind offenbar der Meinung, dass «Soft Skills» wie Präsentationstechnik an der Uni zu wenig gefördert würden. Den Praxisbezug vermissen am WWZ gar 54 Prozent. Deutlich zufriedener sind diesbezüglich der Absolventen der Fachhochschule. Die Universität reagiert. Ab kommendem Semester müssen die Studierenden ihre Bachelor-Arbeit zum Ende des Grundstudiums neu im Plenum präsentieren.
|